Die Kohlfahrt - Der Weg ist das Ziel

Bereits ein paar Kilometer außerhalb Bremens, Oldenburgs und Ostfriesland stoße ich bei der Erwähnung des Wortes "Kohlfahrt" oft auf fragende Blicke. Nach einer dann meist notwendigen, intensiven und leidenschaftlich geführten Erklärung über eine unserer heiligsten norddeutschen Traditionen, schwanken die Reaktionen zwischen Begeisterung und Fassungslosigkeit. Hier nun für alle "Butenbremer/innen" ein kleiner Kohlfahrtleitfaden...

Nach Buß- und Bettag und dem ersten Frost, zumeist aber von Januar bis März, wandern sie an den Wochenenden wieder durch die Norddeutsche Tiefebene - die Kohlfahrer.

Rund um Bremen, Oldenburg und in Ostfriesland treffen sich Vereine, Firmen, Nachbarn oder einfach nur Freunde und streben, meist mit Bollerwagen ausgerüstet, den Gaststätten, in denen das Grünkohlessen und die anschließende Party stattfindet, entgegen.

Zwei bis drei Stunden sind die Gruppen dabei meist unterwegs und das bei Wind und Wetter. Auf der Strecke wird dann an Kurven oder Kreuzungen eine Pause eingelegt und aus kleinen Schnapsgläsern ein Hochprozentiger Schluck getrunken. Schließlich ist es kalt und der Magen wird schon auf die nachfolgende üppige Mahlzeit vorbereitet. Höhepunkte während der Pausen sind aber die beliebten Gruppenspiele: Teebeutel-, Besen- oder Stiefelweitfurf, Nudeleinfädeln, Luftballonlauf oder auch Quizfragen.

Nach der Ankunft im Lokal kommt der Kohl auf den Tisch. Das frühere Grundnahrungsmittel der armen Leute ist heute eine Delikatesse – und wird zusammen mit der "Pinkel" serviert. "Pinkel" ist eine fette Grützwurst, die dem Kohl beim Kochen beigegeben werden kann, und ihm Würze verleiht. In Bremen und umzu gehören auch noch Kasseler und Kochwurst zum Fleischteller. Nicht zu vergessen sind Kartoffeln als Beilage. Und als Getränk gehören Bier und Korn dazu. Übrigens: man kann den Kohl aber durchaus auch vegetarisch zubereiten.

Höhepunkt des Grünkohlessens ist dann die obligatorische Krönung des Kohlkönigs/Königin bzw. des Kohlkönigspaares. Wer die Königswürde, in Form des sogenannten "Fressordens" für ein Jahr tragen darf, darüber entscheiden verschiedene Methoden. Entweder werden die Anzahl der Portionen jedes Teilnehmers ausgewertet, es wird das Gewicht der Teilnehmer vor und nach dem Essen bestimmt oder es werden die Ergebnisse der Spiele auf der Wanderschaft nach geheimen und nicht ganz ernst zu nehmenden Kriterien ausgewertet. Kohlkönig wird vereinzelt auch derjenige, der als Letzter den Tisch verlässt.

Nach dem Mahl gilt es die überschüssige Energie abzutanzen. Entweder spielt eine Top40 oder Partyband zum Tanz auf oder ein DJ sorgt für Stimmung auf dem Parkett...

Wir sehen uns im Januar, Februar und März 2019 im Haus am Walde

www.kohlfahrten.de

www.wikipedia.de/grünkohlessen

www.radiobremen.de/kohl und pinkel

www.radiobremen.de/die kohlfahrt

www.radiobremen.de/ablauf einer kohlfahrt

www.radiobremen.de/kulturgeschichte der kohlfahrt